Twitters Herzen und Likes lieben lernen <3 Analysen

Von Marcus Beard am 5. November 2015

Selbst die kleinsten Änderungen können eine extreme Gegenreaktion auslösen.

Menschen sind stur. Sie gewöhnen sich an Ideen und Konventionen nach wenigen Monaten der Interaktion. Versucht man dann in dieser Umgebung, die die Nutzer kennen und lieben, etwas zu ändern, werden sie sauer.

Die „New Coke“ hielt sich damals drei Monate, bevor hunderttausende im Coca-Cola Hauptquartier anriefen und verlangten, die Formel wieder zu ändern. Als Netflix vor einigen Jahren die Preise erhöhte, erzeugte auch das extreme Reaktionen. Ich persönlich bin immer noch nicht über Sonics grüne Augen hinweg.

Twitter macht grad eine Phase mit vielen Veränderungen durch. Im Angesicht dessen, dass das Wachstum nicht so schnell wie erwartet vonstatten geht, ist eine Richtungsänderung unvermeidbar.

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Am 3. November nahm Twitter eine kleine Änderung vor, die Millionen User zu überraschen schien.

Sterne wurden Herzen. Favoriten wurden Likes.

Ein Feature, das es von Anfang an auf Twitter gab, bekam ein neues Icon und einen neuen Namen. Nicht mehr, nicht weniger. Und die Nutzer drehten durch.


I ❤️ You

Laut Twitters Product Team war die Einführung der Herzen dazu gedacht, „die Nutzung einfacher und zu einer befriedigenden Erfahrung zu machen“.

Und sie haben Recht: Ein Favorit war immer irgendwie ein unklares Feature der Plattform, das nie einem einzigen konkreten Zweck diente.

Wir haben sogar einen Blogpost darüber geschrieben, warum Leute faven.

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Ein Herz und der Begriff „Like“ sind bereits wohlbekannt und verständlich. Von Facebook und Instagram wissen wir, das „Like“ bzw. „Gefällt mir“ bedeutet: „Ich mag deinen Post“ oder „Dieser Post macht mich nicht glücklich, ich finde ihn allerdings wichtig“.

Wir haben kürzlich Daten für CNET bereitgestellt, die darauf hindeuten, dass 80% der 24.000 erfassten Posts über die Änderung positiver bzw. unterstützender Natur waren. Seitdem haben die obligatorischen „Twitter ist tot“ Artikel den Anteil der Unterstützer auf 64% reduziert. Das ist sogar besser als wir, unserem eigenen Twitter-Feed zufolge, gedacht hätten.

Während der zynische Mix von Journalisten und Digital Professionals in Ihrem Feed vielleicht durchdreht, ist Twitter im Großen und Ganzen doch positiv gestimmt.

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Seit dem Launch haben wir knapp 50.000 Mentions zum Thema auf Twitter selbst gefunden (Retweets ausgeschlossen), mit einem 50-50 Split zwischen Tweets von Männern und Frauen.


Inhalte und Wege der Interaktion in Social Media verändern sich rapide – wir sehen fast jede Woche etwas Neues:

Snapchat hat Kommunikation kurzlebig gemacht. Yo reduziert ein ganzen Netzwerk auf eine einzige Interaktion. In Slack reagieren wir auf Posts mit Emojis.

Facebook hat vor kurzem bekanntgegeben, dass mit dem „Dislike“ Button experimentiert wird – Ein Feature, dass sei der Einführung des „Like“-Buttons angefragt wurde.

Twitters „Sterne zu Herzen“ lässt die Plattform mehr wie Facebook erscheinen, was nicht zwangsläufig schlecht sein muss. Was aber genau passieren wird, lässt sich nicht vorhersagen. Unsere Daten zeigen, dass diese relativ kleine Änderung die Nutzer nicht vertreibt.

Vorerst werden wir also erst einmal damit leben müssen, jede Menge Liebe auf Twitter zu sehen. Und das kann ja eigentlich nicht verkehrt sein, oder? <3


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Marcus Beard

Marcus ist Analyst, Journalist und macht oft Videos, seit es von seinem Kaffeekonsum bis wie er ein Rührei kocht. Er mag Geister, Kafka und spielt für sein lokales Basketball-Team.