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Digitaler Nachlass: Was passiert, wenn wir nicht mehr da sind? Trends

Von Leila Johnston am 19. April 2017

Sicherzustellen, dass unsere Ideen uns überleben, ist ein großes Problem im digitalen Zeitalter.

Vor nicht all zu langer Zeit meißelten wir unsere Erfahrungen in Stein. Wir wurden vielleicht in einem grauenhaften Jagdunfall getötet, aber der Stein existierte weiter und erzählte unsere Geschichte an jeden, der sich dafür interessiert, über Tausende von Jahren hinweg.

Unsere Vorväter waren uns ähnlicher, als wir annehmen: sie malten einen Büffel an die Höhlenwand; wir stellen unser Foto von einem Steak Flambé auf Instagram online. Aber während die Geschichten unserer Vorfahren die geographische Zeit leise und still überbrücken, schwirren unsere digitalen Aufzeichnungen in der Vergangenheit in einer kakophonischen Wolke herum und verschwinden für immer.

Das digitale Zeitalter hat vor allem ein quantitatives als qualitatives Problem. Jedenfalls werden in naher Zukunft die Fülle an historischen Informationen nicht sinken.

Norm MacDonald witzelt, dass die Menschen in 50 Jahren kein wertvolles, verblasstes Foto ihrer Vorfahren herumreichen werden, sondern sagen: „Hey, willst du 100.000 Fotos von meinem Urgroßvater sehen?“

Wenn wir wollen, dass unsere digitalen Erinnerungen überstehen, was können wir tun? Festplatten halten nur einige Jahre und wir können nur Sicherheitskopien erstellen, solange wir am Leben sind.

Wenn wir wollen, dass unsere Informationen uns überdauern, sollten wir nicht davon ausgehen, dass ein Stromnetz für immer verfügbar ist.

Eine Person, die sich mit dieser Herausforderung befasst, ist Dr. Lewis Dartnell, Professor für Science Communication an der Universität Westminster.

Lewis ist der Autor von „The Knowledge“, ein praktischer Guide für „das Neubooten der Zivilisation“, wenn die Säulen anfangen zu bröckeln. Er ist kein klugscheißender Überlebenskünstler, er geht wirklich den Weg. Er hat sogar ein Kindle gebaut, das mit einem Solarmodul aufgeladen werden und damit eine Apokalypse überstehen könnte, damit wichtige Informationen an zukünftige Generationen weitergereicht werden können. Wie funktioniert das?

„Die Solarmodule stammen von einer eingestellten Solarzellenfabrik“, erklärt Lewis.

„Ich verband die einzelnen Zellen mit Tabbing Draht. Diese waren an der Außenseite eines aufklappbaren Etuis mithilfe von EVA Plastikfolie und einer Heißluftpistole angebracht. Die empfindlichen Siliziumscheiben der Solarzellen wurden mithilfe von EVA mit starren Platten aus UV-behandeltem Polykarbonat verbunden.
geschützt. Alle Elektronik wurden sind mit dem mini-USB Aufladeanschluss des Kindles verbunden.“

Lewis ist jedoch nicht der einzige, der sich auf den Daten-Weltuntergang vorbereitet.


Wir sehen uns selbst als starke und mächtige Kultur

In den frühen Tagen des Web machte ein Dokument die Runde, welches die Vorstellungskraft der Leser herausforderte.

Sandia Labs bat Experten darum, ein Kennzeichnungssystem für einen Ort zu entwickeln, der Atommüll lagern soll. Es muss aufgrund der radioaktiven Halbwertszeit für 10.000 Jahre halten.

Das Projekt wirkt sehr düster und extrem optimistisch – sogar, wenn Menschen in 10.000 Jahren noch da sein sollten, wird unser Heimatplanet wahrscheinlich nicht mehr bewohnbar sein.

Die Meldung liest sich sehr faszinierend. Die Designer müssen sich mit dem Horror auseinandersetzen nicht mit Ästhetik: es ist ein Ort der Gefahr, nicht ausgraben und erforschen!

Von den vorgeschlagenen Markierungssystemen gefallen mir am besten das „Stachel-Feld“ – eine Art dorniges Labyrinth aus Beton und „bedrohliche Erdwerke“, eine begehbare Karte der Erde mit allen Standorten der Atommülllager.


Ticktack

Währenddessen baut The Long Now Foundation in den Tiefen eines abgelegenen Berghangs in Texas eine über 60 Meter hohe, aufziehbare Uhr, die 10.000 Jahre laufen soll.

Die Reihen von schönen Zahnrädern haben Vertiefungen eingeschnitten, „wie die Differenzmaschine von Babbage“ und wenn Sie dort hochwandern, um Sie aufzuziehen, werden Sie mit einer eingängigen Melodie belohnt, die von Brian Eno komponiert wurde.

Warum unternimmt The Long Now Foundation diesen riesigen Aufwand? „Damit Leute diese Frage stellen und indem sie diese fragen, sich mit den Konzepten von Generationen und Jahrtausenden auseinanderzusetzen“, erklärt die Website. „Wenn eine Uhr für 10.000 Jahre laufen kann, sollten wir nicht sicherstellen, dass unsere Zivilisation das auch kann?“

Da ist etwas dran: Die Erhaltung von Zivilisationen ist etwas, worüber wir kaum nachdenken und es wäre eine Schande, wenn das einzige, was von uns übrig bleibt, unser tödlicher Atommüll ist, begraben unter einer gigantischen Version der Pebble Mill Wetterkarte.


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Für die Zukunft gesichert

Es sind die Anfangstage eines langfristigen Denkens und gegenwärtige Ideen für das Erhalten von Daten kommen aus dem künstlerischen bis Science-Fiction-Bereich. Können Nachrichten im Klang des Windes versteckt werden, der durch einen ausgehöhlten Tunnel durch einen Berghang heult?

Wie wäre es mit einer genmanipulierten Pflanze, die in der Form einer Gleichung erblüht, wie eine Art biologisches Voyager Platte. Können wir die DNA mit wichtigen Informationen anreichern, so dass zukünftige Generationen Zugang zu Büchern und Sonetten haben, indem sie eine Haarprobe nehmen?

Und was ist, wenn das alles schon einmal geschah und wir einfach nicht an den richtigen Stellen suchen? Vielleicht wollten die Höhlenkünstler uns ja doch etwas mitteilen.


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Leila Johnston

@FinalBullet

Leila ist eine Herausgeberin, Künstlerin, Performerin und Schriftstellerin. Sie betrachtet Menschen, Wissenschaft und die Tech-Branche gerne außerhalb des Kontexts, um schädliche Annahmen und Vorurteile darüber, was und von wem gemacht werden sollte, hervorzuheben und hoffentlich zu überwinden.