Leila Johnston über Wahrnehmungslücken und die andere virtuelle Realität Inspiration

Inspiration Von Leila Johnston am 19. Juni 2017

Ich sehe das Digitale als einen wohlhabenden aber tragischen Prinzen an, der durch das Königreich „der alten Künste“ wandelt – ein Ort, an dem Tanz, Geschichten erzählen und Musik über Jahrzehnte herangereift sind.

Der Prinz spinnt herrliche Stoffe auf einem magischen Webstuhl und wird für seine Pracht so bewundert, dass es niemanden kümmert, dass er die Sprache des Königreichs nicht beherrscht. Auf der anderen Seite betteln die hingerissenen Bürger ihn an, dass er seinen magischen Webstuhl benutzt, um alles mit seinem Guerilla Knitting zu versehen.

Die Verbesserung der Vorstellungskraft des Prinzen ist die virtuelle Realität. Nach vielen Monaten mühevoller Arbeit ist er imstande, kleine Gefühle zu weben, ein kleines Stück von irgendetwas. Das Königreich frohlockt! Der Prince erscheint auf dem Cover des „Ye Wired“-Magazins mit seinem königlichen, saloppen Erscheinungsbild.

Aber eines Tages erinnern sich die Leute an etwas. Einige von ihnen können das Guerilla Knitting des Prinzen verbessern, in dem sie einfach ihre Augen schließen.

Es gibt eine weitere VR, welche nie in Großbuchstaben geschrieben wurde und nie weit weg ist. Einige, wie Designer Wes West, sagen, dass immersive Realitäten häufig vorkommen. Seine letzte imaginäre Reise war ein legendäres Hotel in Hollywood, dank einer neuen musikalischen Zusammenarbeit zwischen Jarvis Cocker und Chilly Gonzalez.

„Es ist, als würde man die Welt durch Linsen mit Tinte betrachten. Es fühlt sich gut an“, erzählt er mir. „Jarvis begrüßt die Zuhörer mit den Worten „Nehmen Sie sich eine Bretzel! Greifen Sie zu!“ und während er spricht, öffnet sich ein Portal zu einer anderen Welt und ich trat ein, um mich umzusehen.“

Warum dieses Album? „Vielleicht liegt es an der Realitätsflucht. Ich bin der Vater eines 4-jährigen Kindes und eines vier Monate alten Babys und genau jetzt ist mein Leben sehr weit weg von dem Leben und dem ausschweifenden Glamour der 30er Jahre in LA.“

Als Wes von den Filmen erzählt, die ihn am meisten fesselten, als er aufwuchs, begann ich zu verstehen. Amity in Der weiße Hai; Hilly Valley in Zurück in die Zukunft; Castle Rock in Stand by me – Das Geheimnis eines Sommers. Diese Orte fühlten sich für mich real an und tun es immer noch. Habe ich diese fiktionalen Welten betreten und Jahre als Teil eines durchdachten, übernatürlichen Stephen King LARPs verbracht?“

Moment mal! Das waren auch meine Orte! Vor allem Hill Valley wirkt wie eine geteilte Halluzination.

Es kann kein Zufall sein, dass die zentrale Stadt im Film als Basis für ein spektakuläres Secret Cinema in 2014 verwendet wurde. Es muss einige universale Eigenschaften geben, wie Kunst aufgenommen wird; ein Schalter der unser „alltägliches Ich“ deaktiviert.

Autor RJ Barber, dessen Debütroman „Age of Assassins“ diesen August via Orbit erscheint, empfindet Musik als sehr umfassend: „Ein Paar Kopfhörer und ein dunkler Raum sind ein großartiger Weg um für die Länge eines Songs oder eines Albums aufzuhören zu existieren“, erklärt er.

„Ich denke, ich habe nicht die stärkste Verbindung zur Realität. Ich war sehr überraschend, dass sich nicht jeder vorstellt, dass es ein alternatives Ich gibt, das auf dem Weg zu einem alternativen Ziel ist, um eine alternative Sache zu tun. Warum nur ich sein, wenn ich eine Millionen Ichs sein kann?“


Weniger ist mehr

Trotz allem: Je höher die Auflösung, umso allumfassender die Erfahrung, richtig? Nicht in den Augen von Anna Smith Spart, Autor von „The Court of Broken Knives“ und gelegentliche Rollenspielerin.

„Sowohl Rollenspiele als aus Lesen sind in der Vorstellungskraft begründet, mit wenig oder gar keiner visuellen oder vertonten Stimulation, gar nicht zu reden von Berührungen oder Geruch, mit dem sich VR-Leute beschäftigen “ sagt sie. „Aber genau das ist, warum diese Aktivitäten allumfassender sind. Es spielt keine Rolle, wie groß der Bildschirm ist oder wie brilliant die Bildqualität, denn es wird immer eine Wahrnehmungslücke zwischen dem Zuschauer und der Welt, die gezeigt wird, geben.“

Umso weniger vor sich geht, umso intimer ist der Effekt. Anna erklärt es so: „Eine überzeugende Welt erklärt nichts.“ Sie ist überzeugt, dass es beim Betrachten um den Konsum geht, während das Lesen, mit seinen vielen Lücken, ein „Akt der Kreation“ ist.“

Das Digitale erschafft treibende, geisterhafte Welten, aber das wirkliche Eintauchen erweitert die Immersion auf wichtige Art und Weise. RJ Barker sagt über das Theater: „Sie teilen diese großen halluzinativen Erfahrungen. Theater hat einen Duft und eine Präsenz und eine Möglichkeit für Chaos und Improvisation, die dem Kino fehlt.“

Diese Aussage wird von meiner Freundin Helen Keen gestützt. Helen ist eine Komikerin und wissenschaftliche Autorin und ist am Puls der Zeit über die neuesten Technologien, aber ihre fesselndsten „virtuellen Realitäten“ erfährt sie mit Büchern – „großartigen Romanen, die sich um das 19. Jahrhundert drehen.“ Helen ist außerdem Autorin von „The Science of Game of Thrones“, ein Buch, das GoT in unserer Weltsprache erklärt und einen Dialog zwischen unserer Welt und der Fantasiewelt schafft.

„GoT ist in etwa, als würde man durch eine riesige, kunstvolle Halle mit verzerrten Spiegeln gehen, die die letzten tausend Jahre der europäischen Geschichte widerspiegeln“, sagt Helen. „Die Geschehnisse in der realen Welt liefern die Zutaten, mit denen all die Fantasiewelten so lebhaft erblühen können.“

Und wer weiß, umso länger der Prinz sich in unserem Königreich aufhält, umso mehr wird sich diese „virtuelle Realität“ in seiner Arbeit widerspiegeln.


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Leila Johnston

@FinalBullet

Leila ist eine Herausgeberin, Künstlerin, Performerin und Schriftstellerin. Sie betrachtet Menschen, Wissenschaft und die Tech-Branche gerne außerhalb des Kontexts, um schädliche Annahmen und Vorurteile darüber, was und von wem gemacht werden sollte, hervorzuheben und hoffentlich zu überwinden.