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„Wir brauchen mehr Women in Tech!“ – Interview mit Ute Mayer von den Rails Girls Berlin Interviews

Von Michaela Vogl am 1. August 2017

Die Rails Girls sind eine internationale Initiative, die Frauen Technologie und das Programmieren näherbringt. Über die Motivation dahinter und die Erfolgsgeschichten, haben wir mit Ute Mayer gesprochen, die seit 2012 ehrenamtlich im Team der Rails Girls Berlin kostenlose Programmier-Workshops für Frauen organisiert. Nach ihrer Teilnahme am Rails Girls Summer of Code 2014 startete sie selbst ihre Karriere als Webentwicklerin.


Die Rails Girls Berlin sind seit etwa fünf Jahren aktiv. Was sind eure bisherigen Erfolge?

Wir haben tatsächlich im April unseren fünften Geburtstag gefeiert und sind sehr stolz darauf, was wir in den vergangenen Jahren alles geschafft haben.
Es gibt mittlerweile eine große Anzahl an Erfolgsgeschichten von Frauen, die durch uns mit dem Programmieren in Berührung gekommen sind und so begeistert waren, dass sie weiter gelernt haben und nach einer Weile sogar einen Job als Entwicklerin gefunden haben. Ein paar dieser Geschichten haben wir auf unserer Webseite schon zum Nachlesen gesammelt.

Daneben hat sich das Konzept der “project groups”, also Gruppen von Frauen, die programmieren lernen wollen und die sich in ihrer Freizeit mit einem Coach regelmäßig treffen, etabliert. Die bekanntesten und ältesten Gruppen sind die Ruby Monstas und die Rubycorns, die bereits einige coole Projekte veröffentlich haben: Speakerinnen.org , Diversity Tickets oder Rorganize.it.

Auch der Rails Girls Summer of Code, der dieses Jahr zum fünften Mal stattfindet hat seine Ursprünge bei den Rails Girls Berlin. Der Rails Girls Summer of Code vergibt Stipendien an Frauen, die 3 Monate lang an einem Open Source Projekt arbeiten wollen. Bewerben können sich Teilnehmerinnen von Rails Girls Workshops mit fortgeschrittenen Programmierkenntnissen. Die meisten Absolventinnen des Rails Girls Summer of Code haben im Anschluss ihren ersten Job als Entwicklerin gefunden.

Was ich auch nicht unerwähnt lassen möchte als Erfolg ist, dass es uns nun schon so lange gibt. Das Orgateam organisiert in seiner Freizeit ehrenamtlich mehrere Workshops pro Jahr. Das ist ein großer zeitlicher Aufwand, und nicht viele ehrenamtliche Projekte überleben so eine lange Zeit. Der Spirit der Rails Girls wird jedoch weiter getragen und das Orgateam wird immer wieder von Neuzugängen unterstützt.


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Was hat sich in den letzten fünf Jahren im Bereich „Women in Tech“ aus eurer Sicht verändert?

Es gibt mittlerweile viel mehr Initiativen für Frauen im IT-Bereich. Seien es Programmierworkshops wie Rails Girls oder Angebote zur Vernetzung von “Women in Tech” wie Women who Code, Geekettes, Digital Media Women. “Women in tech” werden sichtbarer und damit auch die “Role Models”. Die Community ist gewachsen und stärker vernetzt als noch vor fünf Jahren.


Wo besteht noch der größte Handlungsbedarf?

Aus meiner Sicht gibt es noch immer zwei Aspekte, was Frauen in der Technik betrifft: Zum einen entscheiden sich viel weniger Mädchen und junge Frauen für ein MINT-Studienfach oder eine Ausbildung in diesem Bereich. Wenn wir also mehr Frauen in technischen Berufen sehen wollen, ist es meiner Meinung nach an der Zeit, das Rollenbild des Mädchens, das nicht gut in Mathematik sein muss, und Computer etwas für Jungs sind, nicht mehr an unsere Kinder weiterzugeben! Das sollten alle Eltern, Lehrer und Bezugspersonen beherzigen! Denn nur so schaffen wir es langfristig, die Einstiegshürden für Frauen in die Technik zu senken und Interesse an MINT-Fächern schon früh zu fördern und nicht zu unterdrücken.

Der zweite Aspekt betrifft die Frauen, die sich bereits in einem MINT-Beruf befinden.
Eine Entwicklerin beispielsweise bewegt sich noch immer in einer männerdominierten Branche, auch wenn da Geschlechterverhältnis je nach Fachgebiet schwanken kann. Oft herrschen (auf beiden Seiten) Vorurteile und Überzeugungen, die nicht der Realität entsprechen. Viele Frauen verlassen nach einigen Jahren aus Frustration ihren technischen Beruf und wenden sich anderen Bereichen zu.
Um dies zu verhindern, sollte aktiv daran gearbeitet werden, Vorurteile abzubauen und ein Arbeitsklima zu schaffen, in dem jedeR sich wohl und ernst genommen fühlt.


Ihr bewegt euch im Open Source-Umfeld: Was ist das Besondere daran?

Die Open Source-Bewegung zeichnet aus, dass der Quellcode öffentlich zugänglich ist und jeder Mensch daran mitarbeiten kann. Die Software darf kostenlos verwendet werden. Die Guides, die wir für unsere Workshops benutzen, sind ebenfalls Open Source und liegen frei zugänglich auf Github. Wer Ideen hat oder Übersetzungen für einen Guide beisteuern möchte, kann dies leicht tun oder sich auch mit anderen über Aspekte des Workshop Tutorials austauschen.
Diesen Grundgedanken wollen wir auch unseren Teilnehmerinnen vermitteln, indem wir sie auf dem Workshop mit Open Source bekannt machen und (hoffentlich) die Begeisterung wecken, dazu beizutragen.


Wie kann man bei euch mitmachen? Wie kann man euch unterstützen?

Auf unserer Webseite http://railsgirlsberlin.de/ sind alle aktuellen Termine zu finden sowie Informationen rund um die Rails Girls Berlin.

Wir freuen uns natürlich immer über Coaches für unsere Workshops. Wichtige Informationen über den Einsatz als Coach haben wir in diesem Guide zusammengetragen.

Außerdem benötigen wir immer Getränke, Snacks oder andere Materialien für unsere Workshops, die wir häufig von Unternehmen gesponsert bekommen. InteressentInnen können sie über eine Nachricht an sponsoring (AT) railsgirlsberlin.de wenden.


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Titelfoto: naddi via istockphoto

Michaela Vogl

@BuzzEule

Michaela ist Marketing Manager bei Brandwatch in Berlin und schreibt rund um Brandwatch und die Welt von Social Media.