7 Fehler im Marketing und wie Sie diese vermeiden können

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7 Fehler im Marketing und wie Sie diese vermeiden können
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Der Placebo-Effekt folgt einem einfachen Prinzip.

Wenn der Patient davon ausgeht, dass ein Medikament wirkt, ist es wahrscheinlicher, dass es das auch tut – selbst wenn es keine Wirkstoffe enthält. Faktoren wie der Preis, Geschmack oder sogar die Farbe eines Medikaments können seine Wirkung drastisch steigern.

1996 hat Anton de Craen 12 Studien herangezogen und festgestellt, dass rote Schmerzmittel effektiver sind als blaue. Die rote Farbe wird mit starker Wirkung assoziiert und macht das Medikament dadurch wirkungsvoller.

Jeden Tag werden viele Millionen für Schmerzmittel ausgegeben. Man meint, dass Marketer eine Erkenntnis wie diese zu ihrem Vorteil nutzen würden, doch entgegen aller Erwartungen tun sie das nicht.

Nur eines von sieben der meistverkauften Schmerzmittel in Großbritannien ist rot (Shotton, 2018).

Diese Erkenntnis mit ihrem großen Potential wird nicht genutzt und das ist ein schwerwiegender Fehler.

Werbefachleute, die derartige Studien ignorieren, sind wie Generäle, die entschlüsselte feindliche Signale missachten.
— David Ogilvy

Marketer machen trotz der Fülle an verfügbaren Insights immer noch jeden Tag einfach vermeidbare Fehler.

Während das schlechte Nachrichten für die meisten Marketer sind, sind es doch gute Nachrichten für Sie.

Wenn Sie aus den Fehlern der anderen lernen, können Sie sich leicht einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.

Dieser Leitfaden gibt Ihnen die Werkzeuge an die Hand, damit Sie diese Fehler erkennen, und so den entscheidenden Vorteil vor Ihren Mitbewerbern nutzen können.

Fehler Nr. 1: „Die Vorlieben der Verbraucher ändern sich.“

Oft bewerten wir das Verhalten der Verbraucher als irrational – ständig ändern sie ihre Meinung.

Sobald ein neuer Konkurrent in unseren Markt eintritt, fürchten wir, dass er treue Kunden abwerben wird. Folglich ändern Marketer fortlaufend ihre Kampagnen und Strategien, um mit dem sich ständig weiterentwickelnden Verbraucher mitzuhalten.

Zwar gibt es ein paar Gründe, die dieses Denken rechtfertigen, aber es verfehlt weitgehend den fundamentalen Grundsatz, nach dem sich Verbraucher richten: den Grundsatz der Stetigkeit.

Dieser wurde erstmals im Jahr 1968 von zwei kanadischen Psychologen (Knox & Inkster) bemerkt. Sie fanden heraus, dass Spieler direkt nachdem sie ihre Wetten platziert haben, mehr Vertrauen haben, dass ihr Pferd gewinnen wird.

In Bezug auf das Pferd oder seine Chancen hat sich rein gar nichts geändert, einzig im Denken des Verbrauchers ist etwas anders.

Sobald wir eine Entscheidung getroffen haben, stehen wir unter einem gewissen Druck, konsistent zu dieser Entscheidung zu stehen und danach zu handeln (Cialdini, 1985).

Einige pfiffige Marketer haben Wege entwickelt, um die Kraft dieses Prinzips zu nutzen.

Googeln Sie Ihr Lieblingsfestival und sehen Sie sich ein Werbeplakat dazu an. Auf dem Poster wird eine wichtige Information fehlen – der Preis.

Warum ist das so? Weil Werbeprofis erkannt haben, dass Konzertbesucher mit größerer Wahrscheinlichkeit ein Ticket kaufen, nachdem sie erst einmal nach dem Preis gesucht haben. Die Zeit der Suche erhöht nur die Wahrscheinlichkeit, dass das Ticket gekauft wird. Parallelen finden wir bei Filmplakaten oder Album-Covern.

Wie kann Social Listening Ihnen nun helfen, dieses Prinzip gewinnbringend zu nutzen?

Im Jahr 2016 wollte ein Hersteller von Videospielen mithilfe von Brandwatch Analytics herausfinden, ob der Grundsatz der Stetigkeit den Umsatz beeinflusst.

Im Vorfeld eines großen Gaming-Events überwachte er zwei Arten von Diskussionen rund um seine Spiele:

  1. Allgemeine Diskussion über das Spiel (z. B. „dieses Spiel sieht cool aus“)
  2. Diskussion mit Kaufabsicht (z. B. „ich möchte ich dieses Spiel haben“)

Die Ergebnisse waren faszinierend. Spiel 1 erzeugte mehr Gesprächsvolumen. Aber Spiel 2 generierte mehr Erwähnungen mit Kaufabsicht.

Nach der Veröffentlichung wurde klar, dass das allgemeine Konversationsvolumen keine Auswirkungen auf den Umsatz hatte. Dagegen hatten die Mentions mit Kaufabsicht entsprechend dem Grundsatz der Stetigkeit durchaus eine Wirkung.

Menschen sind eher geneigt ein Spiel zu kaufen, wenn sie bereits angekündigt haben, dass sie das tun werden.

Dies ist ein wirksames Mittel zur Vorhersage zukünftiger Verkäufe sowie zum Bewerten von Marketingaktivitäten.

Fehler Nr. 2: „Arbeiten Sie immer auf den Kaufabschluss hin“

Okay, das ist eigentlich ein Verkaufskonzept, aber es wird regelmäßig von Marketern übernommen.

Marketer glauben, dass jede Kampagne einen Call-to-Action, nächste Schritte und Conversions umfassen muss.

Doch ist dieser Fokus auf das Abschließen des Kaufs immer wirksam? Einige Untersuchungen zeigen, dass er es nicht ist.

In den 70er-Jahren schickte ein Universitätsprofessor wildfremden Menschen Weihnachtskarten. Er erwartete eine Handvoll Antworten, tatsächlich erhielt er jedoch einen ganzen Sack voll. Obwohl sie den Professor nicht kannten, machten sich die Menschen die Mühe zu antworten (Kumz & Woolcott, 1976).

Das Experiment demonstrierte die Gegenseitigkeitsregel.

Die Regel besagt, dass wir in etwa zurückzahlen möchten, was eine andere Person uns gegeben hat.

Eine wegweisende Studie von Dennis Regan (1979) verdeutlicht dieses Prinzip.

Er hat zwei Freiwillige in einer Kunstgalerie vortäuschen lassen, dass sie die Werke bewerten. Jedoch war eine dieser Personen – nennen wir ihn Paul – eigentlich Dr. Regans Assistent. In der ersten Phase des Experiments geht Paul zum Automaten und kauft zwei Dosen Cola, eine für sich selbst und eine für die Testperson – eine nette und überraschende Geste.

In der zweiten Phase kauft Paul nur eine Dose für sich selbst.

Im weiteren Verlauf des Experiments bittet Paul um einen Gefallen. Er verkauft Lose für einen wohltätigen Zweck, sie kosten 25 Cent pro Stück.

Die Studie zeigt klar auf, dass Paul bei jenen Besuchern, die zuvor von ihm eine Cola bekommen hatten, erfolgreicher verkaufen konnte. Wir sind geneigt, den Gefallen zu erwidern.

„Andersdenkende werden diesen Report lieben, der konventionelle Weisheiten wie „Verkaufen über alles“ über Bord wirft!“ – Drew Neisser, Founder & CEO

Wie kann Social Listening nun helfen, dieses Prinzip zu Ihrem Vorteil zu nutzen?

Vor einigen Jahren hat LateRooms, ein Online-Hotelbuchungsportal, eine neue Strategie ausprobiert – den Concierge-Service.

Dieser Social Media Service zielt darauf ab, allen zu helfen, die nach Tipps für ihren nächsten Urlaub suchen. Wenn ein Urlauber über Restaurants in Madrid oder tolle Strände in Portugal twitterte, hat Brandwatch das Team von LateRooms umgehend informiert.

Anstatt nun direkt mit LateRooms-Angeboten zu reagieren (das wäre wieder kaufabschlussorientiert) antwortete das Team mit Tipps zu den besten Orten und Angeboten.

Dieses Verhalten hatte einen beträchtlichen Effekt bei den Verbrauchern. Anstatt LateRooms zu ignorieren, weil sie eine Verkaufsstrategie witterten, fühlten die Verbraucher sich verpflichtet und waren animiert, den Gefallen zu erwidern.

Von allen Anfragen an den Concierge-Service entwickelten sich atemberaubende 30 % in tatsächliche Verkäufe
— Ricard Kemp, Social Media Manager bei LateRooms.

Das ist ein atemberaubender ROI für eine Social Media-Strategie.

Es ist ein Fehler, sich bei Kampagnen nur auf Konversionen zu konzentrieren, denn so lassen Sie das große Potential der Gegenseitigkeitsregel ungenutzt.

„Anders als ein traditioneller Verkaufsanruf, ist Social Media für gewöhnlich nicht die Plattform für einen Abschluss. Nur weil jemand aktiv an einer Unterhaltung mit Ihnen auf Twitter oder Facebook oder LinkedIn teilnimmt, bedeutet das nicht, dass dieser bereit ist zu kaufen.

Häufig sorgen aggressive Verkaufstechniken für den gegenteiligen Effekt. Marken riskieren, potenzielle Fans mit aufdringlichen Nachrichten zu verschrecken. Stattdesen sollten sich Marken darauf konzentrieren, eine Community und Beziehungen mit Großzügigkeit und dem Teilen von Informationen aufzubauen.

Marken, die auf Social Media für die Community einen Nutzen liefern, haben die Chance echte Fans zu schaffen, die dann zu Kunden werden.“ – Mike Allton, Brand Evangelist, Agorapulse 

Fehler Nr. 3: „Verbraucher lieben die Auswahl“

Nehmen wir an, Sie diskutieren darüber, was Sie in Ihren Newsletter zum Jahresende aufnehmen sollten.

In diesem Jahr hat das Team 30 neue Apps entwickelt (ziemlich beeindruckend). Sie können sich nicht entscheiden, welche aufgenommen werden. Letztendlich beschließen Sie, dass alle Apps im Newsletter erscheinen sollen – schließlich haben Verbraucher immer gern die Wahl…

Das ist ein Fehler.

Schauen wir uns dazu diese berühmte Studie von Sheena Iyengar (2000) an.

Sie baute zwei Verkostungsstände mit einer Vielzahl von Gourmet-Konfitüren auf. Ein Stand hatte 6 unterschiedliche Konfitüren zur Auswahl und der andere 24.

Nach dem konventionellen Denken nimmt man nun an, dass mehr Auswahlmöglichkeiten besser sind, da die Verbraucher dann ganz sicher eine Marmelade finden, die sie mögen. Iyengar hat jedoch herausgefunden, dass genau das Gegenteil der Fall ist.

Nur 3 % der Verbraucher kauften am Stand mit den 24 Sorten tatsächlich eine Konfitüre. Am Stand mit nur 6 Sorten kauften 30 % der Verbraucher ein.

Iyengar hatte die Wirkung des Knappheitsprinzips bestätigt.

Shotton zeigt in seiner Studie des Jahres 2018, dass dieses Momentum das Kinomarketing entscheidend beeinflussen kann.

300 Verbraucher sahen ein Plakat für einen neuen Film und wurden gefragt, wie wahrscheinlich es ist, dass sie diesen im Kino ansehen würden. Der Hälfte der Teilnehmer wurde gesagt, dass der Film nur noch bis zum Wochenende läuft.

Diejenigen, die wussten, dass der Film ausläuft, wollten mit 36 % höherer Wahrscheinlichkeit hingehen.

Wie kann Social Listening nun helfen, dieses Prinzip zu Ihrem Vorteil zu nutzen?

Brandwatch Kunden konnten ähnliche Erfolge bei der Nutzung des Knappheitsprinzips verzeichnen.

Bimbo, eine internationale Backwarenfirma, brachte in einer Sonderaktion einen neuen Kuchen, den „Gansito Red Velvet“, heraus.

Bimbo erzielt den größten Umsatz in Mexiko. Dennoch beschloss das Unternehmen, den neuen Kuchen aus dieser Sonderaktion nicht im mexikanischen Markt anzubieten.

Als die Nachricht von dem neuen Kuchen Mexiko erreichte, schlug der Knappheitseffekt bei den treuen Kunden voll ein. An einem einzigen Tag fragten 5.197 mexikanische Kunden auf Twitter nach dem neuen Kuchen.

Statt diesen nun sofort im Markt anzubieten, heizte Bimbo den Hype durch sein Spiel mit dem Prinzip der Knappheit weiter an. Auf Facebook, Twitter und via wichtige Influencer kündigten sie an, dass der Sonderausgabe-Kuchen bald auch in Mexiko erhältlich sein würde.

Sie beschränkten die Markteinführung jedoch zunächst auf zwei zentrale Standorte, Mexico City und Guadalajara. Inzwischen hatte sich das Knappheitsprinzip durchgesetzt und die Online-Diskussionen waren von einem Monat auf den nächsten um 12 % angestiegen.

Das Produkt war nach acht Wochen ausverkauft, vier Wochen früher als erwartet. Die Kampagne kehrte den negativen Umsatztrend um und erwirtschaftete 580.000 US-Dollar Umsatz.

“Das mag der Intuition widersprechen, aber enger gefasste Claims können viel effektiver sein, als einen sehr breitgefassten Claim aufzustellen.“ – Doug Kessler, Creative Director & Co-founder of Velocity

Fehler Nr. 4: „Personalisiertes Marketing ist effektiver“

Sie scrollen durch Facebook und eine Anzeige erscheint. Sie enthält Bilder von Ihrem Vater, Ehemann und Bruder. Unter jedem Bild steht der Slogan „Ein Urlaub, den die ganze Familie liebt – Tickets nach Barcelona für nur 500 Euro“.

Sie zucken zusammen und fragen sich (a) wie die Werbeleute an diese Informationen gekommen sind und (b) was sie noch so über Sie wissen.

Viele Marketer setzen darauf, dass personalisiertes Marketing der richtige Weg ist. Neue Studien weisen allerdings darauf hin, dass das Gegenteil der Fall ist.

Richard Shotton (2018) hat festgestellt, dass 36 % der Verbraucher personalisierte Werbung völlig inakzeptabel finden.

Brandwatch Analytics fördert eine wahre Flut an Online-Verbraucherbeschwerden über gruseliges personalisiertes Marketing zutage – darunter Nachrichten wie diese:

Lokalisiertes Marketing ist eine deutlich effektivere, weniger riskante Strategie.

JC Decaux (2016) erkannte dies nach der Anzeige von zwei Plakaten für Breitbandanbieter. Version 1 bezog das Angebot auf das gesamte Vereinigte Königreich, Version 2 basierte die Anzeige gezielt auf den Standort, an dem sie erschien (Bahnhof Charing Cross).

Das Ergebnis – ortsbezogene maßgeschneiderte Werbung generierte ein um 14 % höheres Bewusstsein als die national ausgeweitete Botschaft.

In ähnlicher Weise bewies Shotton (2018) die Macht der Lokalisierung mit der NHS Blutspende-Kampagne.

Er änderte die Anzeige von „Blutreserven in ganz Großbritannien niedrig, bitte helfen Sie“ in „Blutreserven in Brighton (oder Bristol oder Birmingham) niedrig, bitte helfen Sie“.

Diese Änderung führte dazu, dass die Kosten pro Spende um 10 % optimiert werden konnten.

“Echte Personalisierung übertrifft nicht unbedingt eine gute, solide Segmentierungsstrategie.“ – Doug Kessler, Creative Director & Mitgründer von Velocity

Wie kann Social Listening nun helfen, dieses Prinzip zu Ihrem Vorteil zu nutzen?

Nicht nur Werbeagenturen profitieren von lokalisierter Werbung, auch große Marken wie Ben & Jerrys können mit Brandwatch erheblichen Nutzen daraus ziehen.

Das Team sammelte jeden Online-Beitrag, der darauf hindeutete, dass der Autor ein Eis kaufen wollte. Zum Beispiel, „Ich würde gerne ein #Ben&Jerry essen“ oder „Suche verzweifelt nach Cookie-Dough-Eis“.

Im nächsten Schritt identifizierten sie den Standort des Autors und abschließend haben sie das Volumen der Posts mit den Wetterdaten verglichen.

Das Mischen dieser beiden Datensätze offenbarte einen überraschenden Zusammenhang.

Ausgerechnet Regenwetter animierte die Verbraucher am ehesten, Ben & Jerrys zu kaufen. Das Marketingteam verwendete diese Daten, um standortbezogene Anzeigen zu erstellen.

Wenn es zu regnen anfing, verstärkte das Team die Online-Werbung drastisch.

Die Ergebnisse waren geradezu schockierend. Ben & Jerrys konnte die Wirksamkeit der Anzeigen um 25 % steigern und erhielt bei gleichen Kosten immer mehr Klicks.

Für Marketer sind dies klare und wegweisende Ergebnisse.

Finden Sie lokalisierte Werbetaktiken, die funktionieren, und priorisieren Sie diese vor personalisierten Ansätzen.

Fehler Nr. 5: „Wir müssen immer alles anders machen“

Sie befinden sich in einem Meeting mit leitenden Angestellten. Ihr Marketingdirektor präsentiert den Slogan für die neue Snack-Box: „Es gibt einen guten Grund, warum 8 von 10 Köchen sich für uns entscheiden“.

Sie lieben die Idee. Der Ansatz stützt sich auf Social Proof, er ist einfach, ehrlich und effektiv. Wer möchte da nicht kaufen?

Doch die Führungskräfte beginnen zu diskutieren. „Ist es ein wenig offensichtlich?“, „Ich habe das schon woanders gesehen“, „Es ist nicht sehr innovativ“, „Konnten Sie keinen Slogan finden, der ein bisschen anders ist?“. Ein paar Wochen später landen Sie nach mehrmaligem Optimieren bei diesem Slogan: „Gesund, frisch und lecker!“

Es ist offensichtlich, warum Führungskräfte so denken. Sie werden ständig aufgefordert, innovativ zu sein, etwas Neues zu versuchen und sie lesen Verkaufsschlager, wie „Seien Sie anders oder gehen Sie unter“.

Aber liegen sie damit richtig?

Cialdini (1985) argumentiert, dass bewährte Prinzipien, wie etwa hier der Social Proof, nicht missachtet werden sollten. In seinem Buch „Influence“ erklärt er, wie er Hotelgäste anregt, ihre Handtücher wiederzuverwenden.

Er erstellte zwei Anzeigen, die in den Hotelduschen aufgehängt wurden. Eine erinnerte daran, dass es unserer Umwelt hilft, die Handtücher mehrmals zu benutzten. Die andere informierte darüber, dass die meisten Gäste dieses Zimmers ihre Handtücher mehrmals benutzt haben.

Diese kleine Änderung und das Berufen auf die soziale Bewährtheit steigerte die Rate der mehrmals verwendeten Handtücher um 49 %.

Shotton (2018) konnte ähnliche Resultate in britischen Pubs feststellen. Das Team hatte den Pubbesitzer überzeugt, neben einer Biersorte ein kleines Schild aufzustellen, das besagte, dass dies „das bestverkaufte Bier der Woche” sei. Dieses kleine Schild steigerte den Verkauf der Biersorte um 2,5 Mal im Vergleich zu den vorhergehenden Wochen.

Der Beweis ist eindeutig und zeigt, dass Popularität die Wahrscheinlichkeit des Verkaufes erhöht.

Jedoch zeigt Brandwatch Analytics, dass nur 0,1 % der Marketinganzeigen sich dieses Prinzip zunutze machen.

Warum Marketingspezialisten sich eher für immer neue Strategien anstatt für bewährte Erfolgsformeln entscheiden, ist nicht bekannt. Aber genau darin liegt eine große Chance für Sie!

Fehler Nr. 6: „Das Sentiment ist nur eine schmeichelnde Metrik“

Metriken rund um die Stimmung werden allzu leicht ignoriert. Welche Bedeutung kann die Stimmung der Verbraucher schon für eine Marke haben?

Neue Studien weisen allerdings darauf hin, dass die Konsumentenstimmung mehr Einfluss hat als bislang angenommen.

Fred Bronner (2007) bat 1.287 Teilnehmer eine lokale Zeitung zu lesen. Er fragte sie im Anschluss, an welche Anzeigen sie sich erinnerten.

Im Gegensatz zu den meisten Recall-Tests, kategorisierte er die Ergebnisse nach der Stimmung der Leser. Diejenigen in einer positiven Stimmung bemerkten 56 % der Anzeigen, die Leser in einer negativen Stimmung bemerkten nur 36 %.

Wie kann Social Listening hier helfen?

Mit Brandwatch ist das Monitoring der Publikumsstimmung ganz einfach.

Hier sehen Sie das durchschnittliche Sentiment für sechs Branchen:

Net Sentiment aufgeteilt nach Tagen

Sofort können wir einige wertvolle Erkenntnisse gewinnen:

  • Versicherungsmarken sollten am Dienstag werben und keinesfalls am Samstag.
  • Konsumenten von alkoholfreien Getränken sind am Anfang der Woche schlechter gelaunt.
  • Telekom-Anbieter haben Sonntags ein positiver gestimmtes Publikum.

Hier finden Sie eine Analyse der Tageszeiten:

Net Sentiment nach Stunden

    • Airlines sollten die Zeit von 9 bis 12 Uhr mittags nutzen.
    • Versicherungskunden sind nach dem Mittagessen negativer gestimmt.
    • Banken generieren morgens ein negatives Gefühl.

    Wenn also Gefühle einen derartigen Einfluss darauf haben, wie Anzeigen aufgenommen werden, sollte diese Metrik durchaus ernst genommen werden,

    „Marketer, die verstehen, welchen Einfluss Inhalte auf das Kundenerlebnis haben, sind in der besten Position, um die für ihr Unternehmen wichtigsten Geschäftsergebnisse voranzutreiben.”  –  Dennis Wakabayashi, Vice President bei The Integer Group

Fehler Nr. 7: „Es basiert auf Marktforschung. Also kann nichts schiefgehen“.

Der nachfolgende Abschnitt mag etwas widersprüchlich klingen, da wir schließlich in diesem Leitfaden für mehr Forschung plädiert haben. Doch der Clou besteht darin, die Erkenntnisse nicht als alleinigen Richtwert und Wegweiser zu betrachten.

Schauen wir uns an, wie Rundfunkanbieter ihre Fernsehprogramme auswählen.

In den späten 1960er-Jahren erwog CBS, eine neue Show herauszubringen. Die zentrale Figur, Mary Richards, war eine alleinstehende junge Frau, die – anders als die meisten Frauen ihrer Generation – entschlossen war, Karriere zu machen.

CBS ließ Testsendungen vor unterschiedlichem Publikum laufen. Die Ergebnisse waren ernüchternd. Mary war „eine Verliererin“, ihr Nachbar war „aggressiv“ und viele Charaktere waren „nicht glaubwürdig“ (Gladwell, 2014).

Der einzige Grund, warum die Show überhaupt weiterlief, war, dass die Sendung bereits fest eingeplant war. Die Resultate kamen zu spät, um noch etwas zu ändern.

Entsprechend der Marktforschung mussten die Zuschauer die Sendung also hassen. In Wirklichkeit wurde die Mary Tyler Moore Show wahnsinnig erfolgreich. Die Writers Guild of America platzierte sie auf Platz 6 der Liste der 101 Best Written TV Series of All Time.

Doch dieses Phänomen beschränkt sich nicht auf Fernsehshows.

1985 entwickelte Coca-Cola eine neue Version des beliebten Getränks.

Sie forschten und arbeiteten unermüdlich, um sicher zu gehen, dass die neue Cola einen besseren Geschmack hatte. Nach jahrelanger Arbeit und monatelangen Verbrauchertests war es schließlich vollbracht. Sie fanden ein Aroma, von dem jede Forschungsgruppe begeistert war.

In jenem Jahr wurde die New Coke auf den Markt gebracht.

Und das war ein Fehler von bis dato unbekanntem Ausmaß. 40.000 Verbraucher beschwerten sich umgehend.

Pepsi veröffentlichte  Anzeigen, die sich über den Fehler des Mitstreiters lustig machten.

Innerhalb von drei Monaten wechselte Coca-Cola zurück zum alten Aroma.

Ob Sie nun die Ergebnisse bei den Rundfunkanstalten oder dem Getränkegiganten betrachten, die Botschaft ist eindeutig. Nehmen Sie Marktforschung nicht immer als alleinigen Richtwert.

Wie kann Social Listening hier helfen?

Argos, ein britischer Einzelhändler, durchlief 2015 grundlegende Transformationen.

53 Stores wurden mit iPads, neuen Layouts und automatisierten Wartesystemen ausgestattet.

Es war eine Revolution für die 40 Jahre alten Stores. Da die Veränderung auf Marktforschungsergebnissen basierte, sollte es doch eigentlich funktionieren oder?

Argos verließ sich allerdings nicht allein die Marktforschung. Stattdessen sammelte das Team fortlaufend freiwilliges Echtzeit-Feedback in den sozialen Medien.

Innerhalb von nur einer Woche gewannen sie drei Erkenntnisse:

  • Verbraucher im Norden vermissten die Interaktion mit dem Personal
  • Verbraucher in London bemängelten Probleme mit langen Wartezeiten
  • Verbraucher im Osten wünschten sich einen Platz, um zu sitzen

Das Team reagierte umgehend auf diese Anliegen und bot mehr Personal im Norden, reduzierte Wartezeiten in London und mehr Sitzgelegenheiten im Osten.

Social Media hat die entscheidenden Echtzeit-Informationen rund um die Kundenzufriedenheit geliefert.” – James Finch, Customer and Digital Insights Manager bei Argos.

Argos vertraute der Marktforschung, aber nahm sie gleichzeitig nicht als alleinige Wahrheit. Das Team hatte stets ein Ohr für das Verbraucherfeedback, nahm dieses an und verbesserte Mängel entsprechend den Live-Anliegen der Kunden.

Wir planen zukünftige Rollouts für Digital-Stores und wir werden Brandwatch Analytics verwenden, um jeden Schritt auf diesem Weg zu verfolgen.
— James Finch - Customer and Digital Insights Manager, Argos.

„Es gibt wirklich keinen besseren Weg, um Ihr Marketing zu verbessern, als durch das Erforschen und letztendliche Verstehen Ihres Publikums.

Dieser Leitfaden stammt aus demselben Hause, wie eines der besten Web-Monitoring-Tools des Marktes. Er verdeutlicht diese häufigen Marketingfehler anhand von vielfältigen Beispielen und Daten sehr anschaulich. Und schließlich lernt man am besten, indem man seine Fehler versteht. – Lilach Bullock – Content Marketing Specialist 

„Ich bin seit mehr als 10 Jahren im Bereich SEO tätig und habe in dieser Zeit viele der erwähnten Fehler selbst gemacht und aus ihnen gelernt. Ich konnte aber auch beobachten, wie viele meiner Mitbewerber, Kollegen und Kunden diese Fehler wieder und wieder gemacht haben. Es gibt viele Listen mit Marketing Dos and Dont’s, doch dieser Guide gehört zu den besten, die ich bis dato gesehen habe.“

Diese Fehler sind zeitlos und ich wünschte, ich hätte eine Auflistung wie diese bereits im ersten Jahr meiner Marketingkarriere gehabt.“  Pratik Dholakiya, Digital Marketing Consultant

Fazit

Als Vermarkter treten wir in überfüllten Märkten an.

Wir hören ständig, dass wir unsere Arbeit neu erfinden und mit den Verbrauchern mithalten müssen.

Und deshalb machen wir Fehler.

Doch jeder Fehler bietet auch Chancen. Diejenigen, die verlässlichen Insights den Vorzug geben und ihre Pläne auf reale Daten stützen, werden die Gewinner sein.

Mit Brandwatch haben es Marketingspezialisten leichter denn je, die nötigen Insights zu erhalten.

Wir erfassen täglich Millionen Gespräche. Und wir können die Fehler aufdecken, die Sie und Ihre Konkurrenten machen.

Sehen Sie selbst und buchen Sie eine Demo.

Bibliography

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