{"id":27631,"date":"2013-10-28T19:11:24","date_gmt":"2013-10-28T17:11:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brandwatch.com\/de\/?p=27631"},"modified":"2015-04-14T16:41:19","modified_gmt":"2015-04-14T14:41:19","slug":"stecker-ziehen-analog-und-digital-von-der-kampagne-zum-berliner-volksentscheid-lernen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brandwatch.com\/de\/blog\/stecker-ziehen-analog-und-digital-von-der-kampagne-zum-berliner-volksentscheid-lernen\/","title":{"rendered":"Stecker-Ziehen analog und digital &#8211; von der Kampagne zum Berliner Volksentscheid lernen"},"content":{"rendered":"<p>Wie man Social Media f\u00fcr sich nutzt, zeigen uns dieser Tage die Aktivisten, die sich f\u00fcr den R\u00fcckkauf des Berliner Stromnetzes einsetzen.<\/p>\n<p>Am kommenden Sonntag gibt es in Berlin dazu einen <a href=\"http:\/\/www.berliner-energietisch.net\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Volksentscheid<\/a>. Abstimmen sollen die B\u00fcrger dar\u00fcber, ob sich Berlin die Stadtwerke und das Stromnetz zur\u00fcckholen soll.<!--more--> Mitte der 90er waren die Werke an den schwedischen Energiekonzern <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vattenfall\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vattenfall<\/a> verkauft worden, doch die Vertr\u00e4ge laufen demn\u00e4chst aus.<!--more--> Das geforderte berlineigene Stadtwerk w\u00fcrde sich ausschlie\u00dflich aus erneuerbaren Energien speisen und demokratisch und transparent gef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Die politischen Organisationen, die sich zum Teil im Netzwerk #energietisch zusammen getan haben, r\u00fchren nun noch einmal s\u00e4mtliche digitale und analoge Trommeln f\u00fcr ein &#8222;Ja&#8220; zur Rekommunalisierung. 625.000 Berliner m\u00fcssen daf\u00fcr am Sonntag ihr Kreuzchen an der entsprechenden Stelle setzen, und das sind gar nicht so wenige.<\/p>\n<p>Bereits im Februar ging das Projekt in die erste hei\u00dfe Phase, in der 200.000 Berlinerinnen und Berliner dazu bewegt werden sollten, den Volksentscheid mitzutragen. So viele Unterschriften mussten bis 10. Juni 2013 gesammelt werden. Um das hehre Ziel zu erreichen, pr\u00e4sentierte der Berliner <a href=\"https:\/\/twitter.com\/energietisch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Energietisch<\/a> Ende Februar sogar einen eigens komponierten Song <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=tdwjeGZXYNo\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Wat(t) f\u00fcr Berlin&#8220;<\/a>. Ohne \u00fcber die musikalischen Qualit\u00e4ten dieses Kampagnen-Songs urteilen zu wollen &#8211; es funkte erstmal nicht so richtig in den sozialen Netzwerken, nur wenige gaben die Neuigkeit an ihre digitalen Freunde weiter. Wesentlich besser hingegen funktionierte der knackige Slogan, mit dem die Kampagne \u00fcberschrieben war: &#8222;Vattenfall den Stecker ziehen&#8220; stand es auf gro\u00dffl\u00e4chigen Plakaten und twitterte es seit Februar, verst\u00e4rkt aber im Juni, durch den \u00c4ther.<\/p>\n<p>Kurz bevor die magische 200.000 durchbrochen werden sollte, griff etwa <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Klaus_Lederer_(Politiker)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Klaus Lederer<\/a>, Landesvorsitzender der Partei Die Linke und Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses, den Slogan auf und zog eine muntere Twitter Schar mit sich. Sieben Mal forderte er von Mai bis Oktober zum Stecker-Ziehen auf und erreichte damit potentiell \u00fcber 23.000 Follower. Die gesamte Kampagne wurde freilich auch von Offline-Aktivit\u00e4ten getragen, die sich aber durch den Werbespruch hervorragend in die Online-Welt \u00fcbersetzen lie\u00dfen und mit 265.000 Unterschriften f\u00fcr das Volksbegehren zum Erfolg f\u00fchrte. Wie sehr die Schl\u00fcsselbegriffe der Kampagne im Vordergrund standen, zeigt auch die Topic-Cloud unseres <a href=\"\/de\/social-media-monitoring\/\">Social Media Monitoring<\/a> Tools:<\/p>\n<p><a href=\"\/de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/TopicCloud-Volksentscheid.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-27640\" src=\"\/de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/TopicCloud-Volksentscheid.jpg\" alt=\"Volksentscheid Berliner Stromversorgung Social Web\" width=\"570\" height=\"285\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/spd-knickt-ein-volksentscheid-zum-stromnetz-erst-im-november\/8504940.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gro\u00dfe Koalition in Berlin<\/a> nutzte im Folgenden ihre politischen Mittel, die bei den Bef\u00fcrwortern des Volksentscheides misstrauisch be\u00e4ugt wurden. Zun\u00e4chst mal beschloss man, das Volksbegehren nicht am Tag der Bundestagswahl am 22. September durchzuf\u00fchren, was dem Volksbegehren sicher eine regere Beteiligung beschert h\u00e4tte. Anstelle dessen setzte man den 3. November fest.<\/p>\n<p>Ende September dann zog man aus den Reihen der CDU und SPD einen Antrag zur<a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/koalition-beschliesst-berlin-bekommt-ein-stadtwerk-volksentscheid-wird-ueberfluessig\/8854574.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Gr\u00fcndung eines Berliner Stadtwerkes<\/a> hervor, der auf Dezember 2012 datierte. Offenbar au\u00dferhalb der Tagesordnung und ohne Einbeziehung des Hauptausschusses beschloss die Koalition einen Gesetzesentwurf mit zahlreichen Hintert\u00fcrchen, der zumindest aus Sicht der Opposition haupts\u00e4chlich darauf zielte, den Bef\u00fcrwortern des Volksentscheides den Wind aus den Segeln zu nehmen. &#8222;Mini-Stadtwerke&#8220; wurde das Projekt von den politischen Gegenspielern gleich getauft, denn der daf\u00fcr eingeplante Haushalt d\u00fcnkte den Gegnern so geeignet zum Betreiben eines Stadtwerkes wie eine Knopfbatterie zum Anlassen eines LKWs.<\/p>\n<p>Die Aktivisten reagierten darauf in medialer Hinsicht vorbildlich. Um das Volk \u00fcber die strategischen Hintergr\u00fcnde des Gesetzesentwurfs aufzukl\u00e4ren, entwarf man ein so genanntes <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6mzOB0W2N8M\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Explainity-Video<\/a>, das in sehr einfachen, comicartigen Zeichnungen verbildlicht, warum das vom Senat angestrebte Stadtwerk mitnichten den Forderungen des Energietisches entspricht. Anders als der Kampagnen-Song wurde das Explainity-Video von <a href=\"https:\/\/www.campact.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">campact<\/a> sofort von der Twitter und Facebook-Gemeinde aufgegriffen und weitergereicht. Allein \u00fcber Twitter erzielte die Aufforderung, sich das Video anzuschauen, bis heute weit \u00fcber 80.000 Impressions. \u00dcber 27.000 Mal wurde das Video auf Youtube angeschaut.<\/p>\n<p>Als das Abgeordnetenhaus dann den Vertragsentwurf f\u00fcr das auch als #Stadtwerkchen verschriene Projekt absegnete, donnerte es gewaltig aus den Twitterhallen: Die tweetende Gemeinde warf mit Zweifeln am Demokratieverst\u00e4ndnis der Koalition und dem gef\u00fcrchteten #fail nur so um sich. Am darauffolgenden Tag mehrten sich die Stimmen f\u00fcrs &#8222;Stecker-Ziehen&#8220; signifikant (siehe Chart unten).<\/p>\n<p><a href=\"\/de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/History-Volksentscheid.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-27641\" src=\"\/de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/History-Volksentscheid.png\" alt=\"Volksentscheid Berliner Stromversorgung Zeitverlauf Social Buzz\" width=\"2502\" height=\"1111\" \/><\/a><\/p>\n<p>Auch wenn die Ergebnisse des Volksentscheides erst am kommenden Montag endg\u00fcltig feststehen werden, kann die Kampagne des Energietisches bereits als Erfolg gewertet werden: \u00dcber 200.000 Berliner haben bisher Briefwahl beantragt.<br \/>\nDie Aktivisten setzen im \u00dcbrigen auch zum Ende der Kampagne hin auf zweigleisige Werbung (digital und analog): Gestern wurde die neue <a href=\"http:\/\/fbapp.campact.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Facebook-App<\/a> f\u00fcr den Volksentscheid bekannt gegeben. Nach Vorbild der Obama-App kann man hiermit seine Facebook Freunde zum Abstimmen motivieren.<\/p>\n<p>Und wenn am Samstag ein Infoblatt an Ihrem T\u00fcrgriff baumelt, das Sie zum Stecker-Ziehen auffordert, bitte nicht den K\u00fchlschrank vom Netz nehmen, sondern am Sonntag ans Abstimmen denken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie man Social Media f\u00fcr sich nutzt, zeigen uns dieser Tage die Aktivisten, die sich f\u00fcr den R\u00fcckkauf des Berliner Stromnetzes einsetzen. Am kommenden Sonntag gibt es in Berlin dazu einen Volksentscheid. 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