{"id":53634,"date":"2017-03-09T16:28:46","date_gmt":"2017-03-09T14:28:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brandwatch.com\/de\/?p=53634"},"modified":"2024-09-23T18:44:41","modified_gmt":"2024-09-23T16:44:41","slug":"interview-phil-simon-ueber-die-bedeutung-von-datenvisualisierungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brandwatch.com\/de\/blog\/interview-phil-simon-ueber-die-bedeutung-von-datenvisualisierungen\/","title":{"rendered":"Interview: Phil Simon \u00fcber die Bedeutung von Datenvisualisierungen"},"content":{"rendered":"<p>In diesem Interview sprachen wir mit Phil Simon, Autor von &#8222;The Visual Organization&#8220;.<\/p>\n<p>Seit 1997 hat er \u00fcber 300 Vortr\u00e4ge, Pr\u00e4sentationen und Workshops \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.philsimon.com\/speaking\/popular-topics\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Themen<\/a> wie Big Data, Plattformen, Technologien, effektive Kommunikation und Management gehalten. Im Herbst 2016 trat er der Fakult\u00e4t der Arizona State University\u2019s W. P. Carey School of Business bei.<\/p>\n<p>Wenn er nicht unterrichtet, ber\u00e4t er Unternehmen, wie sie Technologien und Daten besser einsetzen k\u00f6nnen. In diesem Interview spricht er \u00fcber seine Gedanken zu den Vorteilen, der Bedeutung und der Zukunft von Datenvisualisierungen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.brandwatch.com\/de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Phil-Simon-pic.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-53636\" src=\"https:\/\/www.brandwatch.com\/de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Phil-Simon-pic.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"680\" \/><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<h3>Phil, was ist eine &#8222;visuell orientierte Organisation&#8220;?<\/h3>\n<p>Eine visuell orientierte Organisation ist eine Organisation, die neue Datenvisualisierungstools einsetzt, um Mitarbeitern auf allen Ebenen dabei zu unterst\u00fctzen, bessere Entscheidungen zu treffen.<\/p>\n<p>In der Vergangenheit nutzten viele Unternehmen Dashboards, KPIs oder Visualisierungstools, aber diese waren oft auf F\u00fchrungskr\u00e4fte ausgerichtet. Daten werden demokratischer. Diese Tools werden viel m\u00e4chtiger. Sie sind \u00fcber mobile Endger\u00e4te leichter zug\u00e4nglich als fr\u00fcher.<\/p>\n<p>In meinen Augen setzt ein visuell orientiertes Unternehmen das durchweg um und Entscheidungen werden basierend auf den Daten-Insights getroffen. Sie m\u00fcssen keine technisch versierte Person sein, um Datenvisualisierungen f\u00fcr bessere Entscheidungen zu nutzen.<\/p>\n<p>Wir reden hier nicht nur vom Erstellen eines statischen Kuchen- oder Balkendiagramms. In visuell orientierten Unternehmen sind die Tools viel interaktiver.<\/p>\n<p>Normale Endanwender, ob diese nun F\u00fchrungskr\u00e4fte oder Junior Manager sind, k\u00f6nnen mit diesen Daten kommunizieren. Wie ich in meinem Buch bereits schreib: Visuell orientierte Unternehmen begr\u00fc\u00dfen die <em>Offenlegung von Daten<\/em>.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.brandwatch.com\/de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/blog12.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-53637\" src=\"https:\/\/www.brandwatch.com\/de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/blog12.jpg\" alt=\"\" width=\"768\" height=\"512\" \/><\/a><\/p>\n<p>Sie wissen nicht unbedingt, wohin die Daten sie f\u00fchren werden. Das kann einige abschrecken, aber da es heutzutage so viele Daten gibt, ist es wichtig, diese Unterhaltung zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Sie wissen nicht unbedingt, was los ist. Wenn Mitarbeiter mehr und mehr Daten visualisieren, k\u00f6nnen sie bessere Entscheidungen treffen.<\/p>\n<hr \/>\n<h3>Was denkst du, sind die Vorteile eines visuell orientierten Unternehmens?<\/h3>\n<p>Neueinsteiger m\u00fcssen nicht mehr so viel Zeit und Ressourcen damit verbringen, zwischen IT und Nutzer hin- und herzuspringen.<\/p>\n<p>Sie k\u00f6nnen bessere, schnellere Entscheidungen treffen und schneller reagieren, da sie wissen, was gerade vor sich geht.<\/p>\n<p>Das Treffen von Entscheidungen wird demokratischer.<\/p>\n<blockquote><p>Basierend auf meiner Recherche reagiert das menschliche Gehirn 60.000 Mal schneller, wenn es visuelle anstelle von rohen Daten oder Text sieht. Wenn Sie Daten auf eine sehr visuelle Art und Weise betrachten, k\u00f6nnen Sie schneller begreifen, was vor sich geht.<\/p><\/blockquote>\n<p>Mit Datenvisualisierungen k\u00f6nnen au\u00dferdem Ausrei\u00dfer oder potenzielle Fehler schneller identifiziert werden. Ich erinnere mich an meine Beratungst\u00e4tigkeit.<\/p>\n<p>Eines der ersten Dinge, die ich mache, wenn ich ein gro\u00dfes Datenset durchgehe, ist das Durchf\u00fchren einiger diagnostischer Stichproben. Das k\u00f6nnen SQL-Ausz\u00fcge, Pivotabellen oder einfache Graphen sein.<\/p>\n<p>So kann ich feststellen, was Sinn ergibt und was nicht. Zum Beispiel sollte ein Einstiegs-Vertriebler keine 300.000 Dollar im Jahr machen. Das muss wahrscheinlich ein Fehler sein.<\/p>\n<p>Oder es ist sehr unwahrscheinlich, dass alle 2000 Vertriebspersonen weiblich sind. Ich f\u00fchre diese Art von Analysen durch, um zu sehen, was vor sich geht und ob es Fehler gibt.<\/p>\n<p>Und dadurch kann ich ein besseres Verst\u00e4ndnis \u00fcber ein neues Datenset gewinnen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.brandwatch.com\/de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/blogginggg-1024x683.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-53638\" src=\"https:\/\/www.brandwatch.com\/de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/blogginggg-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" \/><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<h3>Wie setzt Netflix Datenvisualisierungen ein?<\/h3>\n<p>Die meisten Unternehmen k\u00f6nnen nicht tun, was Netflix macht. Allerdings kann Netflix heute Dinge machen, die vor f\u00fcnf Jahren noch nicht m\u00f6glich waren.<\/p>\n<p>Sie sind f\u00e4hig, zu messen, wie sich die Nutzer verhalten. Das schlie\u00dft ein, wann sie beim Streamen pausieren, wann sie einen Film zur\u00fcckspulen, wann sie ihn wieder angucken und welche Bewertung sie abgeben. Das sind sehr wertvolle Informationen.<\/p>\n<p>Netflix Gesch\u00e4ftsmodell kostet 7,99 \u20ac pro Monat und es besteht keine Mindestlaufzeit. Sie nutzen Netflix so lange Sie es n\u00fctzlich finden.<\/p>\n<p>Wenn also Netflix seinen Kunden keine interessanten Filme, TV-Shows, Comedyserien und\/oder Dokumentationen usw. anbieten kann, warum sollten sie bleiben?<\/p>\n<p>Vor allem, wenn es Alternativen wie Hulu und Amazon Prime gibt. In dieser Branche unterzeichnen Kunden keine Vertr\u00e4ge wie bei Verizon oder AT&amp;T.<\/p>\n<p>Wie erreicht Netflix also dieses Ziel? Mit vielen Ma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p>Bei meiner Recherche zu <em>The Visual Organization<\/em> sprach ich mit Personen von Netflix und fand heraus, dass Teil des Algorithmus f\u00fcr \u00e4hnliche Filme und TV-Serien, die Farben des <a href=\"https:\/\/www.wired.com\/insights\/2014\/03\/big-data-lessons-netflix\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Covers des Films oder der Serie<\/a> mitber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<p>[bw_also_like id=&#8220;46622&#8243; title=&#8220;Das k\u00f6nnte Ihnen gefallen:&#8220; button_text=&#8220;Blogpost lesen&#8220;]<\/p>\n<p><em>Arrested Development<\/em> geh\u00f6rt zum Beispiel zu meinen Lieblingsserien. Das Cover der Serie ist vor allem in der Farbe Orange gehalten. Vielleicht bin ich empf\u00e4nglich f\u00fcr Serien in dieser Farbpalette. Warum diese Vermutung nicht als Teil des Matching-Algorithmus einflie\u00dfen lassen?<\/p>\n<p>Das ist genau, was Netflix macht. Anders formuliert: Netflix betrachtet das Alter, demografische Merkmale und die j\u00fcngste Viewing History, aber warum hier <a href=\"https:\/\/vimeo.com\/81215943\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">aufh\u00f6ren<\/a>?<\/p>\n<p>Visuell orientierte Unternehmen wie Netflix verstehen, dass aufgezeichnete Nutzerverhaltensweisen eine riesigen Einfluss auf das Gesch\u00e4ft haben k\u00f6nnen. Das Unternehmen wei\u00df um die Bedeutung der Daten. Das ist nicht nur ein Lippenbekenntnis.<\/p>\n<hr \/>\n<h3>In deinem Buch erw\u00e4hnst du alle m\u00f6glichen Datentypen: Big und Small Data, Metadaten, Daten au\u00dferhalb des Unternehmens, als auch gute und schlechte Daten. Kannst du erkl\u00e4ren, wie wichtig es ist, diese in einer Datenvisualisierung zu zeigen?<\/h3>\n<p>Vieles, was ich als Big Data einordne, existiert au\u00dferhalb des Unternehmens. Es liegt nicht innerhalb der Unternehmensmauern. Viele Unternehmen verwenden die Daten, die sie besitzen.<\/p>\n<p>Das sind zumeist strukturierte, Transaktionsdaten, die in der Datenbank gefunden werden k\u00f6nnen. Beispiele w\u00e4ren die Anzahl der Mitarbeiter, die Zahl der Transaktionen, Liste von Verkaufszahlen und so weiter.<\/p>\n<p><em>Das repr\u00e4sentiert aber nur etwa 15 Prozent der Daten da drau\u00dfen; rund 85 Prozent der Daten sind eine unstrukturierte Vielfalt.<\/em><\/p>\n<p>Metadaten besitzen eine gewaltige Macht. Zum Beispiel gab es in den USA vor ein paar Jahren den Prism-Skandal. Der damalige Pr\u00e4sident Obama erw\u00e4hnte, dass die Regierung nicht die tats\u00e4chlichen Daten von Telefonanrufen (in anderen Worten, die Telefonanrufe selbst) betrachtete, sondern Metadaten.<\/p>\n<p>Unternehmen k\u00f6nnen versehentlich Informationen verraten anhand so etwas trockenem wie eine Schecknummer.<\/p>\n<p>Sie k\u00f6nnen verraten, wie viel Absatz sie machen, die Menge an Verk\u00e4ufen und letzten Endes die potenzielle Bewertung des gesamten Unternehmens.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-53639 size-full\" src=\"https:\/\/www.brandwatch.com\/de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/coloured-beads.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"803\" \/><\/p>\n<hr \/>\n<h3>Was sind die h\u00e4ufigsten Fehler, die bei Datenvisualisierungen gemacht werden?<\/h3>\n<p>Mark Twain sagte einmal: \u201eThere are lies, damn lies and statistics.\u201c Es ist sehr einfach die Art und Weise, wie etwas aussieht, zu manipulieren.<\/p>\n<p>Ich kann einen Aktienkurs nehmen, der sehr schwankt und die X- und \u2013Y-Achsen austauschen. Ich kann den gleichen Kurs sehr stabil aussehen lassen.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen das die ganze Zeit beobachten. Fox News bekam vor ein paar Jahren \u00c4rger. Das Netzwerk stellte Daten mittels <a href=\"https:\/\/thenextweb.com\/dd\/2015\/05\/15\/7-most-common-data-visualization-mistakes\/#.tnw_Oumi8CVA#.tnw_xXVgIfWv\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Visualisierungen regelm\u00e4\u00dfig falsch dar<\/a>.<\/p>\n<p>Andererseits sehe ich viele Unternehme, die zu viele Informationen in Datenvisualisierungen packen. Dadurch verstehen Nutzer nicht, was damit ausgesagt werden soll.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem ber\u00fccksichtigen viele Unternehmen nicht, dass immer mehr Personen Visualisierungen mit mobilen Endger\u00e4ten ansehen.<\/p>\n<p>Nur weil etwas \u00fcber den Desktop gut aussieht, bedeutet es nicht, dass es sehr gut auf einem Tablet aussieht \u2013 geschweige denn auf einem Smartphone.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.brandwatch.com\/de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/blog324.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-53640\" src=\"https:\/\/www.brandwatch.com\/de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/blog324.jpg\" alt=\"\" width=\"768\" height=\"512\" \/><\/a><\/p>\n<blockquote><p>Es ist sehr wichtig, dass Unternehmen einen Schritt Abstand von sich selbst nehmen. Nur weil Sie es an Ihrem Screen verstehen, hei\u00dft das noch lange nicht, dass es andere verstehen werden.<\/p><\/blockquote>\n<hr \/>\n<h3>Wie sieht die Zukunft von Datenvisualisierungen aus?<\/h3>\n<p>Datenvisualisierungen werden demokratischer. Als Autor kann ich in Amazons Autor Central in einem Dashboard einsehen, wie meine B\u00fccher abschneiden.<\/p>\n<p>Amazon sagt mir nicht, wer meine B\u00fccher gekauft habt, denn wenn ich das w\u00fcsste, wozu br\u00e4uchte ich dann noch Amazon?<\/p>\n<p>Auf einer Heatmap kann ich sehen, dass meine B\u00fccher in San Francisco und Seattle beliebter sind als in Oklahoma. Darauf basierend kann ich Entscheidungen treffen, wo ich in Werbung investiert, wo ich Buchtouren oder andere Events abhalten sollte.<\/p>\n<p>Ich sehe hier keine Verlangsamung. Im Gegenteil, es verst\u00e4rkt sich.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus werden Datenvisualisierungen verbreiteter sein und notwendiger werden. Es wird mehr Daten geben. Das kann niemand abstreiten.<\/p>\n<p>Das Internet der Dinge wird gro\u00dfe Mengen an Daten generieren. Es gibt einfach keinen Weg, dass Menschen dieses Volumen nur via Microsoft Excel Sheets verstehen werden. Datenvisualisierungen werden zunehmend interaktiver.<\/p>\n<blockquote><p>Ich kann nicht sehen, wie wir in Zukunft weniger auf Daten und Technologien setzen. Die Datenvisualisierungen werden das reflektieren. Wenn alles unver\u00e4ndert bleibt, werden Unternehmen, die sie nutzen, besser abschneiden, als Unternehmen, die sie nicht nutzen.<\/p><\/blockquote>\n<p>[bw_banner_cta url=&#8220;https:\/\/www.brandwatch.com\/de\/vizia\/&#8220; title=&#8220;Die <strong>Vizia 2<\/strong> Plattform&#8220; button=&#8220;Mehr Informationen&#8220; type=4]Data-Storytelling mit aussagekr\u00e4ftigen Visualisierungen.[\/bw_banner_cta]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem Interview sprachen wir mit Phil Simon, Autor von &#8222;The Visual Organization&#8220;. 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