{"id":55404,"date":"2017-06-08T10:20:03","date_gmt":"2017-06-08T08:20:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.brandwatch.com\/de\/?p=55404"},"modified":"2017-06-08T10:20:03","modified_gmt":"2017-06-08T08:20:03","slug":"ansprache-junger-zielgruppen-uebertreiben-sie-nicht-mit-dem-yolo-lol-faktor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brandwatch.com\/de\/blog\/ansprache-junger-zielgruppen-uebertreiben-sie-nicht-mit-dem-yolo-lol-faktor\/","title":{"rendered":"Interview mit ze.tt \u00fcber Ansprache junger Zielgruppen: &#8222;\u00dcbertreiben Sie nicht mit dem \u2018Yolo-LOL-Faktor\u2019!&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Marieke Reimann ist stellvertretende Redaktionsleiterin von <a href=\"http:\/\/ze.tt\/\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ze.tt<\/a>, dem jungen Online-Magazin des Zeit-Verlags. Ihr Arbeitsschwerpunkt ist die thematische Ausrichtung und Weiterentwicklung der Seite. Daf\u00fcr besch\u00e4ftigt sie sich intensiv mit der Ansprache von jungen Menschen, auch wenn es um komplexe Themen wie Politik geht. Was ist ihr Erfolgsgeheimnis in der Ansprache und was k\u00f6nnen Unternehmen davon lernen?<\/p>\n<hr \/>\n<h3>Mit ze.tt wendet ihr euch bewusst an eine j\u00fcngere Zielgruppe. Wie alt sind diese Menschen und wie unterscheidet sich der Journalismus f\u00fcr sie?<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/www.brandwatch.com\/de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Marieke-zett-Foto.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-55410\" src=\"https:\/\/www.brandwatch.com\/de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Marieke-zett-Foto-300x200.png\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"367\" \/><\/a>Die Menschen, die wir ansprechen m\u00f6chten, sind zwischen 18 und 35 Jahren alt und bewegen sich zwischen Abitur und erstem Jobwechsel. Wir gehen davon aus, dass sie einen h\u00f6heren Bildungsgrad haben. Au\u00dferdem befinden sie sich oft an einer Schwelle, an der sie Lebensentscheidungen treffen oder hinterfragen: Sind das Studium oder der Job, das, was ich wirklich will. Bringt mich das im Leben weiter?<\/p>\n<p>Mit dem Ergebnis der US-Wahl habe ich angefangen dar\u00fcber nachzudenken, wie wir die Aufbereitung der Themen so zuspitzen k\u00f6nnen, dass unsere Leserinnen und Leser mehr \u00fcber Politik nachdenken.<\/p>\n<p>Wir versuchen, schwierige Themen mit Emotionen zu verbinden und so aufzubereiten, dass sie schneller verst\u00e4ndlich und einfacher zu handhaben sind. Sie sind dichter am Leben unserer Leserinnen und Leser dran. Wir ver\u00f6ffentlichen die Beitr\u00e4ge nur, wenn sie eine neue These haben oder einen \u201ezettigen Dreh\u201c.<\/p>\n<p>Ein Beispiel: statt einer News zum Putschversuch in der T\u00fcrkei machen wir eine Reportage \u00fcber einen Erasmus-Studenten vor Ort, der beschreibt, wie er diese Putschnacht in Istanbul in seiner WG erlebt hat. Wir m\u00f6chten mit Emotionen und den pers\u00f6nlichen Geschichten einen Zugang schaffen zu der Nachricht dahinter.<\/p>\n<hr \/>\n<h3>So muss man also politische Inhalte pr\u00e4sentieren, damit sich junge Leute mehr daf\u00fcr interessieren? Welches Feedback bekommt ihr dazu?<\/h3>\n<p>Das Feedback dazu ist durchweg positiv. Offenbar kann sich unsere Zielgruppe gut mit den jeweiligen Protagonisten und ihren Fragestellungen identifizieren.<\/p>\n<p>Kritischeres Feedback bekommen wir von \u00c4lteren, dabei vor allem von M\u00e4nnern \u00fcber 50, die \u00fcber die Plattform Zeit Online kommen. Sie finden das Konzept zu pers\u00f6nlich, zu wenig informationsvermittelnd. Das nehme ich gerne als Feedback auf, aber muss auch ganz klar sagen, dass diese Menschen ein deutlich anderes Nutzungsverhalten in ihrem Nachrichtenkonsum haben. Da sie nicht zu unserer Kernzielgruppe geh\u00f6ren, ist dieser Standpunkt deshalb auch nicht so entscheidend.<\/p>\n<p>[bw_also_like id=&#8220;51776&#8243; title=&#8220;Das k\u00f6nnte Ihnen gefallen:&#8220; button_text=&#8220;Blogpost lesen&#8220;]<\/p>\n<hr \/>\n<h3>Was k\u00f6nnen andere von euch lernen?<\/h3>\n<p>Bereits etablierte Medien k\u00f6nnten sich mehr trauen, andere Formate zu w\u00e4hlen, um politische Inhalte und andere Geschichten zu transportieren.<\/p>\n<p>Wir haben zum Beispiel drei Reporter zur Pr\u00e4sidentenwahl nach Frankreich geschickt, um vor Ort Instagram-Stories zu machen. Das ist der schnellste Weg, junge Menschen zu erreichen und ein Vor-Ort-Gef\u00fchl zu vermitteln.<\/p>\n<p>Diese Variante funktioniert unmittelbar und nicht \u00fcber die Umwege eines Newsblogs, dessen Inhalten dann \u00fcber Facebook oder andere Kan\u00e4le verbreitet werden. So etwas machen etabliertere Massenmedien kaum und wenn dann \u00fcber Portale wie Jetzt.de oder ze.tt, die h\u00e4ufig innerhalb der gro\u00dfen Verlage als Spielwiesen dienen. Die etablierteren Medien schauen beispielsweise auch darauf, wie wir Webvideo machen und einsetzen.<\/p>\n<p>Doch nicht nur hinsichtlich der Formate sind wir eine Spielwiese, sondern auch bei den Themen. Seit es ze.tt gibt, sieht man auch bei Zeit-Online mehr Texte \u00fcber Beziehungsformen, Liebe und Partnerschaft.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"482\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\" src=\"https:\/\/www.facebook.com\/plugins\/post.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2Fzett.home%2Fposts%2F1808719302791169&amp;width=500\"><\/iframe><\/p>\n<hr \/>\n<h3>Welche Rolle spielen Social Media-Kan\u00e4le f\u00fcr euch?<\/h3>\n<p>Eine riesengro\u00dfe! Im Prinzip ist nicht mehr unsere Homepage unser Haupt-Ausspielkanal, sondern unser <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/zett.home\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Facebook-Channel<\/a>. Es ist deshalb umso wichtiger und gleichzeitig so schlimm, dass wir mit Facebook arbeiten k\u00f6nnen und m\u00fcssen. Hier besteht eine gro\u00dfe Abh\u00e4ngigkeit. Wenn da etwas schief l\u00e4uft, wirkt sich das sofort auf unsere Reichweitenzahlen aus.<\/p>\n<p>Facebook ist also nach wie vor unser wichtigster Social Media-Kanal, aber wir merken auch: Je j\u00fcnger die User und Userinnen sind, desto weniger nutzen sie Facebook. Sie orientieren sich mehr daran, was ihnen direkt empfohlen wird, beispielsweise \u00fcber WhatsApp oder Instagram. Das haben wir aus Nutzungsumfragen herauslesen k\u00f6nnen. Deshalb wird <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/zett\/?hl=de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Instagram<\/a> f\u00fcr uns auch in Zukunft eine gr\u00f6\u00dfere Rolle spielen. Als verifizierter Account kann man inzwischen auch Links in Instagram-Posts ver\u00f6ffentlichen, das war bis vor kurzem noch nicht m\u00f6glich. WhatsApp ist f\u00fcr uns noch ein zu privater Bereich als dass wir da aktiv werden wollten.<\/p>\n<p>Aber Social Media sind f\u00fcr uns nicht nur f\u00fcr die Verbreitung der Inhalte interessant, sondern auch f\u00fcr direktes Feedback aus unserer Community. Hier sind wir eigentlich permanent im Gespr\u00e4ch. Wir bekommen Kommentare unter unseren Posts, Direktnachrichten, Kommentare auf der Seite und Feedback per E-Mail. Eine Redakteurin k\u00fcmmert sich 50 Prozent ihrer Arbeitszeit um die Beantwortung und Moderation der Fragen. Im Community-Management haben wir klare Regeln. Wir l\u00f6schen nie etwas, au\u00dfer es handelt sich um klar rassistische oder gesetzwidrige Kommentare.<\/p>\n<p>Da wir stetig wachsen, wird auch die Arbeit im Communitymanagement immer mehr. Wir m\u00f6chten den Bereich in Zukunft st\u00e4rker ausbauen und beispielsweise einen Community-Guideline erarbeiten.<\/p>\n<hr \/>\n<h3>Spielt f\u00fcr euch eine Rolle, was au\u00dferhalb eurer Plattformen \u00fcber euch gesprochen wird? Macht ihr Social Media-Monitoring?<\/h3>\n<p>Bislang spielt das f\u00fcr uns kaum eine Rolle. Aber nat\u00fcrlich schauen wir darauf, was wichtige Stakeholder \u00fcber uns sagen und welche Artikel sich \u00fcber Social Media am besten verbreiten.<\/p>\n<p>Die Artikel mit der gr\u00f6\u00dften Resonanz sind fast immer Artikel, in denen es um Selbstfindung oder Beziehungen geht. Auch Beitr\u00e4ge \u00fcber LGBTQ-Themen und Feminismus werden oft geteilt, da es totale Reizthemen sind. Aber auch starke Meinungskommentare kommen gut an. K\u00fcrzlich hatten wir beispielsweise einen Kommentar \u00fcber eine muslimische Minderheit in Myanmar. Dieses Thema erf\u00fcllte keine klassischen Nachrichtenfaktoren, hatte aber ein starkes Fazit. Es hat uns sehr gefreut, dass dieses Thema so gut funktioniert hat.<\/p>\n<blockquote class=\"instagram-media\" style=\"background: #FFF; border: 0; border-radius: 3px; box-shadow: 0 0 1px 0 rgba(0,0,0,0.5),0 1px 10px 0 rgba(0,0,0,0.15); margin: 1px; max-width: 658px; padding: 0; width: calc(100% - 2px);\" data-instgrm-captioned=\"\" data-instgrm-version=\"7\">\n<div style=\"padding: 8px;\">\n<div style=\"background: #F8F8F8; line-height: 0; margin-top: 40px; padding: 50.0% 0; text-align: center; width: 100%;\"><\/div>\n<p style=\"margin: 8px 0 0 0; padding: 0 4px;\"><a style=\"color: #000; font-family: Arial,sans-serif; font-size: 14px; font-style: normal; font-weight: normal; line-height: 17px; text-decoration: none; word-wrap: break-word;\" href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/BUMbSMoAKY9\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Mensch \u2764\ufe0f Mensch. Ganz einfach. Deswegen feiern wir heute den Internationalen Tag gegen Homophobie, Transphobie und Biphobie. Zeit zum Knutschen. #loveislove #allloveisequal #love #queer #bisexual #lesbian #gay #intersexual #gaypride #ehef\u00fcralle #ehefueralle #homoehe #taggegenhomophobie #homosexual #homosexuell #transphobia #transphobie #biphobia #biphobie #bisexual #kiss #girlswhokissgirls #boyswholikeboys #ikissedagirl #transgender #transpride<\/a><\/p>\n<p style=\"color: #c9c8cd; font-family: Arial,sans-serif; font-size: 14px; line-height: 17px; margin-bottom: 0; margin-top: 8px; overflow: hidden; padding: 8px 0 7px; text-align: center; text-overflow: ellipsis; white-space: nowrap;\">Ein Beitrag geteilt von ze.tt (@zett) am <time style=\"font-family: Arial,sans-serif; font-size: 14px; line-height: 17px;\" datetime=\"2017-05-17T12:53:26+00:00\">17. Mai 2017 um 5:53 Uhr<\/time><\/p>\n<\/div>\n<\/blockquote>\n<p><script async defer src=\"\/\/platform.instagram.com\/en_US\/embeds.js\"><\/script><\/p>\n<hr \/>\n<h3>Apropos Themen: Wie kommt ihr auf eure Inhalte?<\/h3>\n<p>Da gibt es verschiedenste Wege: einerseits orientieren wir uns am weltweiten Tagesgeschehen und entscheiden, was wir covern m\u00fcssen. Dann gibt es nat\u00fcrlich den pers\u00f6nlichen Input von unseren Redakteurinnen und Redakteuren, die B\u00fccher, die sie lesen und die Gespr\u00e4che, die sie f\u00fchren gemischt mit der Kreativit\u00e4t im Umgang mit den Themen innerhalb unserer Redaktion. Es kommen auch Leute auf uns zu und bieten uns Themen oder Stories an. Auch aus unserer Community kommt Input: Wir hatten beispielsweise einmal eine Story zu Kindern, die keinen Kontakt mehr zu ihren Eltern haben. Daraus ist dann eine ganze Serie entstanden, da wir so viel Resonanz darauf erhalten haben und noch mehr Perspektiven des Themas abbilden konnten.<\/p>\n<hr \/>\n<h3>Was k\u00f6nnen Unternehmen in der Ansprache von jungen Menschen besser machen?<\/h3>\n<p>Ich kann sagen, was sie lassen sollten: Menschen, die Ende 30, 40, 50 sind, sollten nicht versuchen eine Teenagersprache zu kopieren und dadurch versuchen, semi-cool auf junge Menschen zuzugehen. Was am authentischsten wirkt, ist einfach auf eine angenehme, nicht aufdringliche Art witzig zu sein.<\/p>\n<p>Wir selbst haben am Anfang auch etwas \u00fcbertrieben mit dem \u201eYolo-LOL-Faktor\u201c und sind da ganz, ganz schnell von weg. Am besten ist es, authentisch auf die Leute zuzugehen, am besten mit jungen Protagonisten und Protagonistinnen.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem sollten Kan\u00e4le wie Instagram und Snapchat nur genutzt werden, wenn man wei\u00df wie. Ich habe schon sehr gruselige Snap-Stories von alteingesessenen Unternehmen gesehen. Niemand will \u00fcber Snapchat eine Waschmaschine beworben haben, ganz ehrlich. Wenn ich mir eine Waschmaschine kaufe, google ich selbst, welche die beste f\u00fcr mich ist.<\/p>\n<hr \/>\n<h3>Das hei\u00dft ja dann auch, dass man unweigerlich eine Vertreterin oder einen Vertreter der eigenen Zielgruppe im Team braucht, oder?<\/h3>\n<p>Ja, das w\u00fcrde ich total bef\u00fcrworten. Bei uns im Team wird das auch deutlich. Unsere studentischen Aushilfen, haben mit Anfang 20 auch einen anderen Blick auf die Themen als die \u00e4lteren im Team. Da m\u00fcssen wir uns als Redaktion in den n\u00e4chsten Jahren auch Gedanken machen, schlie\u00dflich soll ze.tt ja auch ze.tt bleiben, wenn wir \u00e4lter werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir bedanken uns herzlich bei Marieke Reimann f\u00fcr das spannende Interview!<\/p>\n<p>[bw_banner_cta button=&#8220;Demo anfordern&#8220; type=2 url=&#8220;https:\/\/www.brandwatch.com\/de\/demo\/&#8220; title=&#8220;Mehr Insights erhalten&#8220; image=&#8220;https:\/\/www.brandwatch.com\/de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Analytics-Dashboard.png&#8220;]Mit Brandwatch Analytics k\u00f6nnen<br \/>\nSie wertvolle Einblicke aus Social Data gewinnen. 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